Bindungstheorie

Die Bindungstheorie versucht, ein im sozialen Umfeld beobachtbares und innerhalb gewisser Grenzen auch messbares Verhalten zugleich aus ethologischer (also verhaltensbiologischer) und aus psychologischer Sicht zu erklären. Die Bindungstheorie besitzt Berührungspunkte mit der Psychoanalyse, mit der sie die Auffassung teilt, dass frühkindliche Erlebnisse ein Schlüssel zur Erklärung der gesamten weiteren Entwicklung eines Menschen sind.
Die Theorie der Bindung beschreibt eine enge und dauerhafte emotionale Beziehung zu Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen im Verlauf der Kindheit oder der weiteren Entwicklung.
Eine gelingende Bindung wird als Nähe, Geborgenheit und soziale Unterstützung empfunden und bildet damit die Grundlage für physisches und psychisches Wohlbefinden.

Bindungstypen bei Kindern:

John Bolwby, Kinderarzt und Analytiker, formulierte 1953, dass die Fürsorge, die ein Kind in den ersten Lebensjahren von den Eltern erhalten würde, für seine spätere seelische Gesundheit von lebenswichtiger Bedeutung sei. Mary Ainsworth arbeitete seit 1950 kurzzeitig mit John Bowlby zusammen und entwickelte in den späten 60er Jahren die empirische Evidenz für seine Theorie, welche sie zugleich entscheidend erweiterte. Sie entwickelte einen Labortest, um die Sicherheit eines Kindes an einen Elternteil zu messen, den Fremde-Situations-Test.

Mit Hilfe des Testes konnten drei unterscheidbare Verhaltensmuster bei Kindern gefunden werden: Im Anschluss ans Ainsworths Forschungsarbeiten fanden Bindungsforscher heraus, dass sich die Reaktionen eines kleinen Anteiles der Kinder in der Fremde Situation nicht in die vorgegebenen drei Kategorien zuordnen ließen und beschrieben eine vierte Kategorie:

Bindungsverhalten von Erwachsenen in bezug auf die Bindungsqualität ihrer Kinder oder zu Betreuenden

Neben der von Ainsworth eingeführten „Fremde Situation“- Untersuchungsmethode wurde u.a. ein spezifisches Testverfahren für Erwachsene entwickelt, um das Bindungsverhalten von Erwachsenen in bezug auf die Bindungsqualität ihrer Kinder oder zu Betreuenden abzuleiten: der AAI.
Folgende Bindungseinstellungen wurden klassifiziert:

Trauerphasen

Auf erlebte Trennungen von Bindungspersonen reagieren Kinder mit folgenden Phasen: Je noch Alter, reagieren Kinder unterschiedlich.

Aktuelle Forschungen:

Entscheidende Fragen sind, inwieweit erlebte frühkindliche Bindungserfahrungen späteres Beziehungsverhalten determinieren, wie negative Bindungserfahrungen kompensiert werden können und wie viele Bindungspersonen ein kleines Kind verkraften kann.

Zimmermann e.a. beschreibt 1997, dass von einem Determinismus Abstand genommen werden müsse und dass die "Komplexität des Entwicklungsprozesses" zu berücksichtigen sei. Guldberg formuliert, dass ein Kindheits-Determinismus ein Mythos sei.
Die Eltern-Kind-Interaktion, als ein Dialog zwischen zwei individuellen Persönlichkeiten von Erwachsenem und Kind, gestaltet eine erlebte Bindungsqualität des Kindes mit. Von daher müssen weitere Faktoren zum Gelingen einer Bindung berücksichtigt werden: Eine interessante Untersuchung mit einjährigen Kindern in West-Berlin, welche zu einer Krippe gingen, ergab, dass die Mutter-Kind-Beziehung nicht negativ belastet wurde.
Am Ende des ersten Lebensjahres ist die Bindung des Kindes an ein oder zwei, selten mal drei Hauptbetreuungspersonen gefestigt.
Weitere Informationen können hier erlesen werden.

Zusatzmaterialien für TeilnehmerInnen am o.a. Workshop

Literaturliste:

Auswahlliteratur

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